Aeros Trike ANT 

Aeros Trike 2020/14

Das Aeros-Trike mit Fox TL und Pollini - BiB: mit Combat und CorsAir-Motor

Es war einmal ein Team, das nicht nur Antonow-Flugzeuge konstruierte, sondern sich auch mit Hängegleitern befasste. Die russische National-
mannschaft wurde mit den Geräten aus der Ukraine ausgestattet.

Gegen Ende der 80er Jahre baute man schon motorisierte HGs, also Ultraleichte. Nach der Wende versuchte die Firma im Westen Fuß zu fassen. Die robusten Trikes (Stalker, Sabre) fanden in ganz Westeuropa Käufer.

Jüngstes Produkt ist ein Trike in der 120kg-Klasse, das Aeros nano Trike, AnT.

Ich hatte die Gelegenheit dieses Minitrike bei unterschiedlichen Bedingungen (sonnig, 20 °, thermisch und ruhige Morgenluft bei 8 °) zu fliegen. 

Im Folgenden meine ganz persönlichen Eindrücke vom Auf-, Abbau bis zum Flug.


Die Sitzposition ist bequem. Auch etwas Korpulentere würden zwischen den ordentlich hohen Seitenteilen Platz finden. 

 

Auf-/Abbau Fläche
Bislang galt der Aeros Discus T15 als die erste Wahl bei Minitrikes. Das AnT hat in der "Luxusversion" die Neukonstruktion Combat verbaut. Das ist ist ein turmloser HG mit Winglets.

Fläche: 12,8 qm 
Packmaß 5,8 m, Kurzpack 4 m, 
Trotz höherer Zahl an Segellatten dauert der Aufbau kaum länger als beim Discus T15. Man hat nicht die Mühe mit den  Randbögen und das Spannen der Querstange erfordert wesentlich weniger Kraft. 
Und man kann die Fläche für eine günstigere Hangarierung, ohne sie vom Trike zu nehmen, zusammenklappen.

Profilierte Rohre mit Sicherungsseil für die Unterverspannung.
Das Querrohr ist aus Aluminium, also kein GFK.

Das Segel ist tadellos in Form, das Gewicht etwas höher als beim Discus (ca. 40 zu 35 kg). Wenn man Segellatten und Unterver-
strebungen (struts) extra verpackt, ist der Drachen auch von Nicht-Gewichthebern ohne Angst vor einem  Hexenschuss auf´s  Autodach zu hieven.

Neu: Fox 13TL 

Auf-/Abbau Trike
Gleich vorneweg: Ich möchte mir die Mühe dies für jeden Flug zu machen nicht antun. Es ist je eine Stunde konzentrierte Arbeit, verstauen der Einzelteile, Auf-/Abladen des Drachens auf den Dachgepäckträger inklusive. 
Zwischenlösung: Das Trike aufgebaut auf einen Hänger transportieren.
Für den Komplettabbau wird der Motor (zwei Schrauben!) abmontiert. Das Ausklinken des Gaszuges ist etwas für Feinmotoriker! Propeller abbauen, sechs Schrauben! Für den Motor (und alles andere) gibt es Packtaschen. In einem Kombi finden die Einzelteile Platz.

Einfach, aber genial gelöst, ist das Einklappen des Fahrwerks zum Verstauen. Ein Hebel! 
Für Routinierte oder Mutige, kann das Fahrwerk auch im Flug eingezogen werden. Dazu muss man allerdings (blind!) nach hinten greifen, den Hebel umlegen und das Rad heranziehen, für jede Seite einzeln. Zugegeben, ich habe mich  nicht getraut, die Prozedur auszuprobieren. Die Koordination, bei einem Motorproblem das Ausfahren (geht sicher leichter!) während der Notlandung erstmals noch hinzukriegen, ist Nervensache. Außerdem bringt das Einziehen des Fahrwerks bei diesen Geschwindigkeiten praktisch keinen aerodynamischen Vorteil.

Fox T
16 qm
Querstange frei 
30 % Doppelsegel
Reise 50
Fox TL     turmlos
13 qm
dgl.  
dgl.
Reise 60

Das ist sonst noch keiner draufgekommen. Der "Schädelspalter" kann nach Herausziehen eines Bolzens in sich zusammengeschoben werden. Dadurch verringert sich die Höhe. So niedrig ist keine Halle, dass, in Kombination mit einer turmlosen Fläche, das Trike nicht hineinpassen würde. Außerdem kann nach Entfernen der 2 x 5 Segellatten der Fox ohne weiteren Abbau zusammengeklappt werden und verbleibt auf dem Trike.

Mein Tipp für Piloten ohne großen Hangarplatz

Der Fox TL fliegt sich leicht, einfach, kaum langsamer. In Turbulenzen muss man allerdings deutlich kräftiger "hinlangen" als beim Combat. 
Der Bodeneffekt beim Landen ist gering. Kein langes Ausgleiten!

> Video über den Aufbau aus dieser Konfiguration

Der Fox ist ohne Hektik in drei (!) Minuten zusammengelegt. Aufbau aus der im Foto gezeigten Variante dauert 5 min.
Der Fox auf dem Trike kann so  platzsparend in einem Hangar untergebracht werden. Oder - man legt eine Plane über das Gerät und transportiert es mit einem Anhänger in die eigene Garage. Länge 5,25 m! 
Welchen Motor am sich gönnt ist  eine finanzielle Sache: CorsAir M25Y (Black Devil), Polini Thor 250 oder den Elektromotor von Geiger.
Mein Tipp: Fox TL mit Polini
Mein Favorit: Trike mit Verkleidung,  Combat und Polini


Start

Die kleinen Räder erfordern auf den üblich holprigen Taxiways ein langsames Rollen.

Wer nur holprige Runways zur Verfügung hat, sollte auf die ab 2020 erhältlichen Ballonreifen ordern. Sehen zwar etwas plump aus, Rollen und Start sind weitaus angenehmer - und Material schonender.

Drachenbasis etwas heranziehen, Vollgas!. Spätestens nach 80 m (Grasbahn, Windstille) muss man den Steuerbügel kurz nach vorne stoßen, damit das Trike auch abhebt und dann sofort zur Sicherheit wieder heranziehen.
Steigleistung bis 2,5, mit dem Polini 4,5 m/s.
Trotz den Drehmoments vom Propeller, zieht die Fläche nicht im geringsten zur Seite.

Motor

Es ist der bewährte Italiener Corsair M 25Y verbaut. Seine Leistung von 25 PS bei 7600 rpm aus 175 ccm reicht für einen sicheren Start und ordentliches Steigen. Lichtmaschine, Gelakku und ein nicht sehr robuster Anlasser (Jedenfalls in meinem Trike geht er regelmäßig kaputt!) bringen das Aggregat zum Laufen. Unübersehbar das Schütteln bei niedriger Drehzahl. 

Die Lautstärke und der Klang ist typisch Zweitakter-Einzylinder. "Man wird gehört!" Ein gutes Headset und zumindest den Piloten stört das nicht weiter.

Das ANT gibt es auch mit dem wassergekühlten 35 PS Polini Thor 250. Da geht der Start um einiges flotter (steiler!), aber mehr v-Reise kann er auch nicht aus dem Flügel zaubern.

Der wassergekühlte Pollini hat Doppelzündung und läuft sehr ruhig, auch bei niedrigerer Drehzahl. Er hat ein Freilaufgetriebe. Der Klang ist weit angenehmer (tiefer) und damit "gefühlt" um einiges leiser.
Im Vergleich zum Corsair eine Liga höher. Auch im Preis!

Flug
Die Steuerbewegungen sind leichter als beim Diskus. An der Kurvenstabilität gibt es nichts auszusetzen. In der Thermik lässt sich das Trike gut zentrieren. Dank der Winglets fliegt das ANT top gerade aus. Turbulenzen erfordern natürlich ordentliche Arbeit, um auf Kurs zu bleiben. Doch der Krafteinsatz bleibt gering  Minitrikes sind nun mal windanfälliger. Geringe Masse des Systems! 

Trimmgeschwindigkeit: 65 -70 km/h. Motordrehzahl dabei 5400. (Pollini 5100) Legt man die Hände sanft auf die Basis (normale Haltung) liegen 70 an. 85 km/h sind auf kürzere Distanzen machbar, bis halt die Arme ermüden.
Die Minimalgeschwindigkeit liegt bei 40. Man spürt, wie sich der Drachen gegen weiteres Drücken "wehrt". Kein plötzliches Abtauchen! Bestes Steigen bei 50 km/h.
Bei Vollgas sind Steigwerte um 2,5 m/s drin (70 kg Pilot!). Pollini gut 4 m/s. Da kommt man aus jedem Platz sicher raus. 6000 rpm reichen für leichten Höhengewinn.

Landung: Unter 4200 beginnt der Motor spürbar zu schütteln. Nicht der Pollini! Die Sinkrate liegt bei Trimmgeschwindigkeit bei 1,5 m/s. Das bedeutet, mehr als 2 m/s sind nicht drin, und damit will die Landeeinteilung ordentlich gemacht sein. 
Tiefer Anflug im Vgl. zu einem Doppelsitzertrike.
Das Ausgleiten und Aufsetzen erfordert hohe Konzentration. Das Fahrwerk macht zwar einen sehr stabilen Eindruck, ist jedoch ungefedert und die kleinen Räder dämpfen nicht viel.

Der Tank hat ausreichendes Volumen und ist - ungewöhnlich in dieser Klasse - aus Metall. Anfälliger für Vibrationen als Kunststoff!
Es gibt auch einen weniger eleganten Kunststofftank. Leider können nur Schlangenmenschen während des Fluges die Tankanzeige ablesen, oder man nimmt den rechten Arm aus dem Hosenträgergurt und beugt sich weit raus. Sicher nicht Jedermanns Geschmack! 
Ein Spiegel wäre mein Lösungsvorschlag.

Das Trike hat Fußgas. 
Empfehlenswertes Handgas gibt es gegen Aufpreis.

Die Wirkung der  Scheibenbremse ist hoch genug. Mehr sollte man der Vorderradgabel nicht zumuten.

Für Leute, die "sich vom Acker machen" gibt es eine Ballonbereifung. Umbau erfordert neue Vordergabel und für die Hinterräder einen Adapterstecksatz. Wühlmauslöcher sind bei einer unplanmäßigen  Außenlandung kein Problem mehr.

Mehr braucht man nicht: Zündschlüssel, Zündschalter und Starterknopf. Die Einheit befindet sich links am Sitz.

Den Polini gibt es mit Doppelzündung. Daher die beiden Zündschalter.

Wer unbedingt Instrumente (Geschwindigkeit, Kompass, Höhenmesser, Vario ...) braucht, kann sich ein Kombigerät auf den Unterholm kletten, oder die lange Zubehörliste durchforsten.

Preise (zur Orientierung!)
Einfachversion ab. 13.500 €
Version mit dem Combat-Flügel, Polini-Motor, Rettung ab.18.000 €,  

Packtaschen (Zubehör!) sind etwas Feines. Doch, wenn sie selbst auf kurzgeschorenem  Gras schon schleifen ist diese Anbringung keine gute Lösung. Bei der Landung wirken sie als Bremse - doch beim Start ist gerade das unerwünscht. Und was ist bei verschmutzter, nasser Piste? Vorschlag: Die Taschen m. H. eines Alurohres etwas nach oben kletten. Nutzung dadurch kaum eingeschränkt.

In D wird das ANT mit einem hinter dem Sitz angebrachten mit Druckluft auslösendem Rettungsgerät angeboten. Es besteht aber die (billigere) Möglichkeit (s. Foto oben) einen entsprechend großen Schirm vor dem Sitz oder seitlich am Sitz anzubringen, der mit Handwurf ausgelöst wird.

Fazit
Das AnT ist eine echte Alternative zu den angebotenen Minitrikes. Die saubere, wertstabile Verarbeitung und der Preis machen das Trike schon auf den ersten Blick begehrenswert.

Das Aeros-Trike hat eine DULV-Zertifizierung und wird auch mit dem Einfach-HG Fox (13TL) und dem Discus T15 angeboten. Und mit den beiden Motorvarianten (Corsair und Polini) ergibt das sechs wählbare Versionen.
Hinzu kommen neuerdings noch zwei Elektromotor-Varianten.

 

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In der folgenden Tabelle habe ich meine Eindrücke von den Hängegleitern der Firma Aeros zusammengestellt. Was für mich ein Nachteil/Vorteil ist, muss nicht generell  zutreffen.

 

Plus

Minus

FoxT
Turmgerät
günstiger Preis
leichter Aufbau, geringes Gewicht bei 13 qm-Version
windanfällig - 16 qm-Version  
Reise 50 km/h
Fox TL
turmlos
leichter, schneller Auf-, Abbau - hohe Einhängelast
am Trike zusammenklappbar
Reise 60 km/h
Landung - geringer Bodeneffekt
Steuerkräfte mittel
Diskus T15
Turmgerät
gutmütiges Flugverhalten
hohe Einhängelast (170 kg)
erfordert viel Kraft beim Spannen der Randbögen, sowie der Querholme - Steuerkräfte mittel
Reise knapp 60 km/h
Combat T
turmlos
Steuerkräfte gering - hohe Einhängelast (178 kg)
Reise 70 km/h - beste Flugeigenschaften im Vergleich
teuerstes Gerät - lange Landestrecke, Bodeneffekt
Aufbau (u. a. 30 Segellatten), 39 kg Masse