Aeros Trike AnT 

Aerostrike 2014

Autopilot?  Nein, gut getrimmt fliegt das ANT ohne Zutun in ruhiger Luft mit 65 schnurgerade.

Es war einmal ein Team, das nicht nur Antonow-Flugzeuge konstruierte, sondern sich auch mit Hängegleitern befasste. Die russische Nationalmannschaft wurde mit den Geräten aus der Ukraine ausgestattet.

Gegen Ende der 80er Jahre baute man schon motorisierte HGs, also Ultraleichte. Nach der Wende versuchte die Firma im Westen Fuß zu fassen. Die robusten Trikes (Stalker, Sabre) fanden in ganz Westeuropa Käufer.

Jüngstes Produkt ist ein Trike in der 120kg-Klasse, das Aeros nano Trike, AnT.

Ich hatte die Gelegenheit dieses Minitrike bei unterschiedlichen Bedingungen (sonnig, 20 °, thermisch und ruhige Morgenluft bei 8 °) zu fliegen. 

Im Folgenden meine ganz persönlichen Eindrücke vom Auf-, Abbau bis zum Flug.


Die Sitzposition ist bequem. Auch etwas Korpulentere würden zwischen den ordentlich hohen Seitenteilen Platz finden. 

 

Auf-/Abbau Fläche
Bislang galt der Aeros Discus T15 als die erste Wahl bei Minitrikes. Das ANT hat in der "Luxusversion" die Neukonstruktion Combat verbaut. Das ist ist ein turmloser HG mit Winglets.

Fläche: 12,8 qm 
Packmaß 5,8 m, Kurzpack 4 m, 
Trotz höherer Zahl an Segellatten dauert der Aufbau kaum länger als beim Discus T15. Man hat nicht die Mühe mit den  Randbögen und das Spannen der Querstange erfordert wesentlich weniger Kraft. 
Und man kann die Fläche für eine günstigere Hangarierung, ohne sie vom Trike zu nehmen, zusammenklappen.

Profilierte Rohre mit Sicherungsseil für die Unterverspannung.
Das Querrohr ist aus Aluminium, also kein GFK.

Das Segel ist tadellos in Form, das Gewicht etwas höher als beim Discus (ca. 40 zu 35 kg). Wenn man Segellatten und Unterver-
strebungen (struts) extra verpackt, ist der Drachen auch von Nicht-Gewichthebern ohne Angst vor einem  Hexenschuss auf´s  Autodach zu hieven.

Neu: Fox 13TL 

Auf-/Abbau Trike
Gleich vorneweg: Ich möchte mir die Mühe dies für jeden Flug zu machen nicht antun. Es ist je eine Stunde konzentrierte Arbeit, verstauen der Einzelteile, Auf-/Abladen des Drachens auf den Dachgepäckträger inklusive. 
Zwischenlösung: Das Trike aufgebaut auf einen Hänger transportieren.
Für den Komplettabbau wird der Motor (zwei Schrauben!) abmontiert. Das Ausklinken des Gaszuges ist etwas für Feinmotoriker! Propeller abbauen, sechs Schrauben! Für den Motor (und alles andere) gibt es Packtaschen. In einem Kombi finden die Einzelteile Platz.

Einfach, aber genial gelöst, ist das Einklappen des Fahrwerks zum Verstauen. Ein Hebel! 
Für Routinierte oder Mutige, kann das Fahrwerk auch im Flug eingezogen werden. Dazu muss man allerdings (blind!) nach hinten greifen, den Hebel umlegen und das Rad heranziehen, für jede Seite einzeln. Zugegeben, ich habe mich  nicht getraut, die Prozedur auszuprobieren. Die Koordination, bei einem Motorproblem das Ausfahren (geht sicher leichter!) während der Notlandung erstmals noch hinzukriegen, ist Nervensache. Außerdem bringt das Einziehen des Fahrwerks bei diesen Geschwindigkeiten praktisch keinen aerodynamischen Vorteil.


Fox T
16 qm
Querstange frei 
30 % Doppelsegel
Reise 50
Fox TL     turmlos
13 qm
dgl.  
dgl.
Reise 65
Das ist sonst noch keiner draufgekommen. Der "Schädelspalter" kann nach Herausziehen eines Bolzens in sich zusammengeschoben werden. Dadurch verringert sich die Höhe. So niedrig ist keine Halle, dass, in Kombination mit einer turmlosen Fläche, das Trike nicht hineinpassen würde. Außerdem kann nach Entfernen der Segellatten der Fox ohne weiteren Abbau zusammengeklappt werden. Somit nimmt das AnT wenig Platz ein und ist in wenigen Minuten wieder aufgebaut.


Praktisch!
 

 

Start
Die kleinen Räder erfordern auf den üblich holprigen Taxiways ein langsames Rollen.

Drachenbasis etwas heranziehen, Vollgas!. Spätestens nach 80 m (Grasbahn, Windstille) muss man den Steuerbügel kurz nach vorne stoßen, damit das Trike auch abhebt.

Motor

Es ist der bewährte Italiener Corsair M 25Y verbaut. Seine Leistung von 25 PS bei 7600 rpm aus 175 ccm reicht für einen sicheren Start und ordentliches Steigen. Lichtmaschine, Gelakku und ein kräftiger Anlasser bringen das Aggregat sofort zum Laufen. Unübersehbar das Schütteln bei Leerlaufdrehzahl.


Die Lautstärke und der Klang ist typisch Zweitakter-Einzylinder. "Man wird gehört!" Ein gutes Headset und zumindest den Piloten stört das nicht weiter.

Das AnT gibt es auch mit dem 35 PS Polini Thor 250. Da geht der Start noch um einiges flotter (steiler!), aber mehr v-Reise kann er auch nicht aus dem Flügel zaubern.

Flug
Die Steuerbewegungen sind leichter als beim Diskus. An der Kurvenstabilität gibt es nichts auszusetzen. In der Thermik lässt sich das Trike gut zentrieren. Dank der Winglets fliegt das ANT top gerade aus. Turbulenzen erfordern natürlich ordentliche Arbeit, um auf Kurs zu bleiben. Minitrikes sind nun mal windanfälliger. Geringe Masse des Systems! 

Trimmgeschwindigkeit: 65 km/h. Motordrehzahl dabei 5400.
Legt man die Hände sanft auf die Basis (normale Haltung) liegen 70 an. 85 km/h sind auf kürzere Distanzen machbar, bis halt die Arme ermüden.
Die Minimalgeschwindigkeit liegt bei 40. Man spürt, wie sich der Drachen gegen weiteres Drücken "wehrt". Kein plötzliches Abtauchen!
Bei Vollgas sind Steigwerte um 2,5 m/s drin (70 kg Pilot!). Da kommt man aus jedem Platz sicher raus. 6000 rpm reichen für leichten Höhengewinn.

Landung: Unter 4200 beginnt der Motor spürbar zu schütteln. Die Sinkrate liegt bei Trimmgeschwindigkeit bei 1,5 m/s. Das bedeutet, mehr als 2 m/s sind nicht drin (keine Vollkreise im Endteil!) und damit will die Landeeinteilung ordentlich gemacht sein.

Das Ausgleiten und Aufsetzen erfordert hohe Konzentration. Das Fahrwerk macht zwar einen sehr stabilen Eindruck, ist jedoch ungefedert und die kleinen Räder dämpfen nicht viel.

Die Wirkung der  Scheibenbremse ist hoch genug. Mehr sollte man der Vorderradgabel nicht zumuten.

Der Tank hat ausreichendes Volumen und ist - ungewöhnlich in dieser Klasse - aus Metall. Leider können nur Schlangenmenschen während des Fluges die Tankanzeige ablesen, oder man nimmt den rechten Arm aus dem Hosenträgergurt und beugt sich weit raus. Sicher nicht Jedermanns Geschmack! 
Ein Spiegel wäre mein Lösungsvorschlag.

Das Trike hat Fußgas. 
Empfehlenswertes Handgas gibt es gegen Aufpreis.

 


Preise (zur Orientierung!)
Einfachversion ab. 12.500 €
Version mit dem Combat-Flügel, Polini-Motor, E-Starter, Rettung ca. 16.000 €

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Packtaschen (Zubehör!) sind etwas Feines. Doch, wenn sie selbst auf kurzgeschorenem  Gras schon schleifen ist die Anbringung keine gute Lösung. Bei der Landung wirken sie als Bremse - doch beim Start ist gerade das unerwünscht. Und was ist bei verschmutzter, nasser Piste? Vorschlag: Die Taschen m. H. eines Alurohres etwas nach oben kletten. Nutzung dadurch kaum eingeschränkt.

In D wird das ANT mit einem hinter dem Sitz angebrachten mit Druckluft auslösendem Rettungsgerät angeboten. Es besteht aber die (billigere) Möglichkeit (s. Foto oben) einen entsprechend großen Schirm vor dem Sitz oder seitlich am Sitz anzubringen, der mit Handwurf ausgelöst wird.

Mehr braucht man nicht: Zündschlüssel, Zündschalter und Starterknopf. Die Einheit befindet sich links am Sitz.

Wer unbedingt Instrumente (Geschwindigkeit, Kompass, Höhenmesser, Vario ...) braucht, kann sich ein Kombigerät auf den Unterholm kletten oder die lange Zubehörliste durchforsten.

Fazit
Das AnT ist eine echte Alternative zu den bislang angebotenen Minitrikes. Die saubere, wertstabile Verarbeitung und der Preis machen das Trike schon auf den ersten Blick begehrenswert.

Das Aeros-Trike hat eine DULV-Zertifizierung und wird auch mit dem Einfach-HG Fox und dem Discus T15 angeboten. Und mit den beiden Motorvarianten (Corsair und Polini) ergibt das sechs wählbare Versionen. Den langsamen Fox und den 250 ccm Zweitakter als Kombination würde ich vernünftigerweise aber nicht nehmen.

Neu: Fox 13 TL