Rauher
Kulm
Luftbild Laumer

Gleich zu
welcher Jahreszeit und aus welcher Richtung
(siehe auch unter Weha und Mockersdorf) man sich dem Rauhen Kulm nähert, der Basaltkegel
ist schon von Weitem zu sehen, einzigartig und mystisch schön. Unten der breite, bewaldete Sockel,
oben der
steile Bergkegel, zu seinen Füßen Neustadt
am Kulm.
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Der Rauhe Kulm ist das Ergebnis eines
Vulkanausbruchs im Tertiär.
Aus dem Erdinneren drängten heiße Gase
und Basaltglut. Die glühende Lava erreichte
jedoch nicht ganz
die Oberfläche. Tuff, ein weiches Gestein, verstopfte den Trichter
wieder. Der Basaltpfropf erkaltete. Die Erosion hat in über 20
Millionen Jahren die um-
liegende Erde abgetragen und dieses zu
hexa- bis oktagonalen Säulen erstarrte, härtere Gestein
freigelegt. |

Herbst am Rauhen Kulm: Der
Böhmische Wind hat die bunten Blätter an der Kegelspitze bereits zu
Boden geweht.
Dafür strahlen die Baumkronen an der Basis im späten Licht einer
Novembersonne umso prächtiger.
Funde belegen schon eine Besiedelung
der Gegend in der Bronzezeit. Dabei dürfte der 682 m hohe Kegelberg
eine wichtige Kultstätte unserer Vorfahren gewesen sein.
Unten ist der Kegel bewaldet, oben ragt der grau-schwarze Basalt
hervor. Doch auch hier setzt sich die Vegetation (Naturschutz ist
gegen gezieltes Abholzen) immer mehr durch, besonders auf der Nordseite.
Zu jeder Jahreszeit ist der "Kulm"
ein lohnenswertes Ausflugsziel.
Der etwas mühsame Aufstieg wird mit einer prächtigen Rundumsicht
auf den Oberpfälzer Wald belohnt. Auf dem Gipfel steht ein 25
m hoher Aussichtsturm. 1988 wurde er der Öffentlichkeit
freigegeben. Der Vorgängerturm fiel einer (wahrscheinlichen)
Brandstiftung zum Opfer.
Schon 1807 stand eine erste Holzkonstruktion auf dem Kegel. Die
baufällige Konstruktion ersetzte man 1895, die wiederum 1937 einem
Neubau weichen musste.
Im Mittelalter thronte oben eine Burg. Sie wurde 1554 zerstört. Die
Sage berichtet, dass in den Gewölben ungeheure Schätze ruhen, die
von einem Mann mit einem Geißfuß bewacht werden. Nur ein
Taubstummer sollte am Palmsonntag, wenn überhaupt, Zugang finden.
Aktuelle archäologische Grabungen
legten Reste einer Ringwallanlage über der Schutthalde des
Vulkankegels frei.
70 m tiefer ist auf der Südseite
ein kleiner Teil eines einst 300 Meter langen Walls zu finden. Diese
Aufschüttungen sind Zeugen der Verteidigungsanlage der Slawen, die
im Frühmittelalter (nicht ganz sicher) hier einen Fürstensitz
hatten.
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Der Name Kulm ist slawischen Ursprungs
und bedeutet kleiner Berg. In der Region haben einige Orte
diesen indogermanischen Wortstamm im Namen, z. B. Kulmain,
Kulmbach, Kulmberg,
Kulmdorf. Einen Kulmstein,
sogar mit Aussichtsturm, gibt es 10 km westlich von Pfreimd. Und auf
dem Großen Kulm
steht keine Burg, sondern...? |

Anzenberg
- Armesberg - Parkstein
- Schlossberg - Wunschenberg
sind weitere Vulkankegel in der Umgebung. Insgesamt
gibt es etwa 150 vulkanische Schlote, 35 allein im Landkreis
Tirschenreuth. |
Der höchste Basaltkegel ist mit 820 m der Plößberg
im Steinwald.
Die
meisten sind in der Landschaft für den Laien nicht zu erkennen,
zumal Vegetation (bewaldet) und Bebauung dies zusätzlich
erschweren. |
Kleiner
Kulm

Der Rauhe Kulm wird auch inoffiziell der Große
Kulm genannt, im Gegensatz zum Kleinen Kulm, auch Schlechter Kulm
genannt.
Dieser wesentlich niedrigere und unscheinbarere Vulkankegel liegt am westlichen Rand Neustadts. |
Hier stand einst ein Schloss, das die
Nürnberger bei der ein Jahr dauernden Belagerung der Burg auf dem Rauhen Kulm 1554
nieder brannten.
Vom
Kleinen Kulm hat man einen schönen Blick auf Neustadt und
den Rauhen Kulm gegenüber. |
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